Abriss-Diskussion spaltet die Gemeinde

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Abriss-Diskussion spaltet die Gemeinde

Josef Pott: Philipp-Neri-Haus muss erhalten bleiben

– Überparteiliche Initiative wird sich noch Einiges einfallen lassen – „Sonst müssten 80 Prozent der Häuser verschwinden»

 Der ehemalige Ratsherr Josef Pott ist auch Mitglied der Kirchengemeinde St. Josef Hollage, deren Vorstand seit einiger Zeit über den Neubau eines Gemeindehauses nachdenkt. Die Folge könnte die Aufgabe und der Abriss des bislang unter anderem für die Jugend- und Vereinsarbeit genutzten Philipp-Neri-Hauses sein. Josef Pott ist Mitglied einer ehrenamtlichen überparteilichen Initiative, die sich für die weitere Nutzung und den Erhalt des Gebäudes einsetzt, in dem bis Mitte der neunziger Jahre das Hollager Rathaus untergebracht war. In dem folgenden Interview geht das ehemalige Mitglied des Kirchenvorstands auf die aktuelle Diskussion ein:

Frage: Hängt das Herz vieler Hollager an dem Philipp-Neri-Haus?

Josef Pott: Eindeutig ja. Vor allem für viele ältere Menschen aus meiner Generation gehört das ehemalige Hollager Rathaus einfach zum Ortsbild dazu. Für den Erhalt sind Mitte der neunziger Jahre mehr als 1,8 Millionen Mark ausgegeben worden, was zu einem großen Teil durch Spenden Hollager Bürgerinnen und Bürger finanziert wurde. Das Philipp-Neri-Haus wurde von dem gleichen Architekten wie die benachbarte Schule erstellt und gehört einfach an diese Stelle. Es kann nicht sein, dass jede nachkommende Generation alles einfach abreißt, was die Vorgängergeneration erstellt hat.

 Frage: Ist die Übergabe von der Gemeinde Wallenhorst an die Kirchengemeinde mit einer vertraglich vereinbarten Nutzungsauflage verbunden?

Josef Pott: Ja. Das gilt insbesondere für die Jugendarbeit. In dem 1995 abgeschlossenen, bis heute gültigen Vertrag ist eindeutig nachzulesen, dass Änderungen nur mit Zustimmung der Gemeinde Wallenhorst erfolgen dürfen. Ansonsten müsste die Kirchengemeinde das Gebäude zurückgeben. Ein Abriss kommt schon laut Vertrag somit überhaupt nicht in Frage.

Frage: Wie ist die Stimmungslage bei den Hollager Bürgern?

Josef Pott: Mein Eindruck ist, dass die Abrissdiskussion eine Spaltung mit sich bringt, was nicht gut für das Zusammenleben vor Ort ist. Für eine andere Nutzung inklusive eines möglichen Abrisses sprechen sich der Bürgermeister und der Kirchenvorstand aus. Dagegen setzt sich eine überparteiliche Initiative mit vielen engagierten Hollager Bürgerinnen und Bürgern für den Erhalt des Philipp-Neri-Hauses und der Beibehaltung der bewährten Nutzung aus. Wir sind fest entschlossen, den Abriss zu verhindern und bekommen dafür großen Zuspruch aus der Bevölkerung. Die Initiative wird sich noch einiges einfallen lassen, um den Abriss zu verhindern. Dessen ungeachtet  befürworten wir sowohl den Neubau eines Jugendheims wie auch den Bau  neuer altersgerechter Wohnungen durch die Kirchengemeinde. Hierfür gibt es aber im nahen Umfeld deutlich besser geeignete Standorte als den des  Philipp-Neri-Hauses. Es gibt also überhaupt keinen Grund für einen Abriss  des Gebäudes.

 Frage: Wie hoch schätzen Sie die Chance ein, dass das Philipp-Neri-Haus

 erhalten bleibt?

Josef Pott: Erst einmal wollen wir genau das natürlich erreichen. Ich per sönlich bin hier zuversichtlich – auch, weil der Kirchenvorstand offenbar ins  Nachdenken kommt. Mit so vielen Abriss-Gegnern hat man dort wohl nicht  gerechnet. Bei den Gesprächen im Ort wird deutlich, dass viele Bürgerinnen und Bürger kein Verständnis für die Abriss-Pläne aufbringen. Denn wenn dieses vollkommen intakte Gebäude abgerissen werden sollte, müssten gut 80 Prozent aller in der Gemeinde Wallenhorst stehenden Häuser verschwinden – inklusive meines eigenen Hauses.

Frage: Wer hat letztlich die entscheidende Stimme?

Josef Pott: Das ist als Erstes ganz klar der Gemeinderat. Deshalb hat unsere überparteiliche Initiative alle Ratsfraktionen zu einem Informationsaustausch plus Diskussion eingeladen. Darüber hinaus muss es auch Grünes Licht vom Generalvikariat geben – inklusive eines erheblichen finanziellen Zuschusses für einen nach dem Abriss erforderlichen Gemeindehaus-Neubau. Wenn der Rat den Plänen der Kirchengemeinde nicht zustimmt, muss das Gebäude zu dem damaligen Kaufpreis von etwa 160.000 Euro an die Gemeinde Wallenhorst zurückgegeben werden.

Frage: Könnte die Nutzung des Philipp-Neri-Hauses wie bisher fortgesetztwerden?

Josef Pott: Ja, natürlich. Für die Jugendarbeit und als Treffpunkt für Vereine und Verbände ist das Gebäude nach wie vor bestens geeignet. Das Philipp-Neri-Haus ist baulich in einem ausgezeichneten Zustand. Wie bei jedem anderen Haus müssen allerdings auch hier regelmäßig die ganz normalen Erneuerungsarbeiten durchgeführt werden. Dazu gehört aktuell zum Beispiel eine zeitgemäße energetische Sanierung, für die unter anderem der Einbau energiesparender Fenster erforderlich ist. Die dafür aufzubringenden Kosten belaufen sich in einer überschaubaren Größenordnung und sind kein Grund, das Gebäude aufzugeben. Sicher ist, dass wir an dem Gebäude noch lange Freude haben können.  (H.)

 (Quelle: BürgerEcho v. 28.02.2018)

One thought on “Abriss-Diskussion spaltet die Gemeinde

  1. Warum ein intaktes Gebäude abreissen, an dem auch noch die Bevölkerung hängt. Warum immer alles gleich plattmachen ? Es sollte uns doch Intelligenteres einfallen. Alles was nach dem Abriss kommt, kostet immenses Geld und was wird dann besser ? M.Kemmrich

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